Robert Erbelding

1891 - 1965


 
Biographie

Zusammengestellt von Katharina Büdel

Am 9. Januar 1891 wurde Robert Erbelding in Otterbach bei Kaiserslautern geboren.
[...] 1907 wird sein Vater nach Scheid bei Landau versetzt, jetzt ist R. E. Schüler am humanistischen Gymnasium in Landau und macht dort 1908 das Abitur. Von 1909 bis 1912 studiert er auf Drängen des Vaters Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft, sowie Sprachen in Köln, obwohl er eigentlich schon immer gerne Maler oder Musiker werden wollte. Anschließend ist er als Auslandskorrespondent in der Metallindustrie tätig.
Am ersten Kriegstag 1914 meldet sich R. E. freiwillig zum Kriegsdienst, kommt als Beobachter zu den Fliegern und hat u. a. die Aufgabe, beim Überfliegen die feindlichen Stellungen zu zeichnen. [...] 1919 heiratet er Elli, eine Bauunternehmerstochter aus Königsberg.
1921 geht er an die Kunstakademie nach Düsseldorf, er studiert dort bis 1925 u. a. als Meisterschüler bei Prof. Spatz. - Danach ist er freiberuflich tätig; die Stelle als Zeichenlehrer, die ihm sein Vater besorgt, nimmt er nicht an.
Die Ehe mit Elli zerbricht. 1929 siedelt er nach Ludwigshafen über. - Er heiratet seine Schülerin Hildegard Schaefer aus Düsseldorf. - 1930 letzte Einzelausstellung. - Es entstehen 30 große Ölbilder.
1932/33 geht das Ehepaar E. für 7 Monate zu einem Studienaufenthalt ins Ötztal in Österreich auf eine Berghütte, es entstehen Hochgebirgsstudien, Ölbilder und Aquarelle. Nach der Machtübernahme Hitlers 1933 übersiedeln R. und H. E. nach München, wo bis 1935 die meisten der Radierungen R. E’s entstehen. Bei einer Wanderung durch die Westpfalz, die durch Waldmohr führt, beschließt R. E. spontan, sich in Waldmohr niederzulassen. Zunächst findet man eine Wohnung auf der Waldziegelhütte, 1936 bereits, nach kurzer Bauzeit, wird das eigene Haus am Ortsausgang von Waldmohr bezogen. - Es entstehen Aquarelle und verstärkt Kohlezeichnungen. – Sofort bei Kriegsausbruch 1939 meldet sich R. E. wieder als Kriegsfreiwilliger und bleibt bis 1945 Soldat. – Im April 1945 wird Sohn Berthil geboren, er wird jedoch nur 6 Monate alt.
R. E. kommt schwerbeschädigt aus dem Krieg zurück, ist chronisch lungenkrank, zeitweise blind, ein schwerer Sehschaden bleibt zurück. – Es folgen jahrelange verzweifelte Arbeitsversuche, die sogenannten Graupapiere, Temperaarbeiten unter Verwendung von wenigen Farben entstehen. – Ab 1955 wendet sich R. E. dem Versuch zu, seine philosophischen Gedanken notizartig aufzuschreiben.
Seine bildnerische Arbeit gibt er 1956 ganz auf und konzentriert sich auf die Schreibversuche, die 1965 nach seinem Tode zu einer Art Tagebuch unter dem Titel OFFENE CONTUREN zusammengefasst werden. Am 4. März 1965 stirbt Robert Erbelding in Waldmohr.
 
Quelle: „Robert Erbelding zum 100. Geburtstag“, mit Texten von Hildegard Erbelding, Robert Erbelding, Jürgen Ecker, Katharina Büdel, Walter Graser, Siegfried Hilbert, Gretel Müller, mit 8 Fotos von Norbert Weber, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Kunstausstellungen Waldmohr, Jürgen Ecker, Druckerei und Verlag Hügel GmbH, Bexbach 1991

 
Werke

 Gebirgslandschaft
48,8 x 39,8cm, Aquarell, 1932/33
(Foto: Norbert Weber, Aus: Jürgen Ecker: Robert Erbelding, Waldmohr 1993, S. 31)
 
 

Feldarbeiter
Öl auf Leinwand, 70,5 x 78,5cm, 1930/31
(Foto: Norbert Weber, Aus: Jürgen Ecker: Robert Erbelding, Waldmohr 1993, S. 37)
 
 

Kind und Feldarbeiter
Kohle, 24,8 x 32,3cm, April 1932
(Foto: Norbert Weber, Aus: Jürgen Ecker: Robert Erbelding, Waldmohr 1993, S. 91)

„Im April 1937 fertigte Robert Erbelding eine Reihe von Kohlezeichnungen mit Darstelluungen von Kindern und arbeitenden Erwachsenen. Diese Blätter gehören zum Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens. Ihr eigentlicher Bildinhalt ist das Verhältnis von Erwachsenen zu Kindern, zugleich auch Erbeldings drastische Auffassung von Weltgeschehen. Gegenprinzipien werden darin formuliert. Auffallend ist, dass das Tun der Erwachsenen in Dunkel gehüllt ist, dass die Gestalten vermummt sind, die Häupter unter Kapuzen stecken und der Erde zugewandt sind. Ihr Dasein ist Ausharren, ob beim Essen oder bei der Feldarbeit. Die Kinder sind im Gegensatz dazu als isolierte lichte Erscheinung erfaßt. Hier erfahren Ausbrechen und Freiheitsorientierung Bildgestalt.
Der Ausspruch Adolf Hoelzels – „Der Geist des Kunstwerks liegt in der vergeistigten Verwertung der Mittel.“ – wird in ganz besonderem Maße in diesen Arbeiten Robert Erbeldings anschaulich.
In ihrer Expressivität gehören die Kohlezeichnungen zu den interessantesten Kunstäußerungen der dreißiger Jahre in der Pfalz.“

Quelle: Jürgen Ecker: Robert Erbelding, herausgegeben von der Nachlassverwaltung Erbelding – Katharina und Anton Büdel (Waldmohr), Fotos: Norbert Weber, 116 Seiten, 82 Abbildungen, davon 12 in Farbe, Göddel + Sefrin GmbH, Waldmohr 1993, S. 5;
siehe dazu Buchbesprechungen von  Michael Seyl: Sonderstellung in der pfälzischen Kunst, In: Westricher Rundschau (Lokalausgabe der Rheinpfalz, Kusel), Oktober 1993; Michael Seyl: Erlebnis von Welt und Kunst, In: Die Rheinpfalz, Palatina, 6. November 1993


 
Redaktion: Michael Seyl
(1999; letzte Überarbeitung: 25. April 2014)

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